September 02, 2014

Arbeitsstelle - und manchmal um zehn Uhr Vormittags Feierabend.

Und gestern Mittag lecker mit dem Angetrauten zu Mittag gegessen. Das ist aber eher die Ausnahme...
Es ist ja nun schon über ein Jahr her, dass ich mein Examen gemacht habe und mich Ass. jur. nennen darf. Nur mit der Zulassung zur Rechtsanwältin hadere ich noch. Ich gebe zu, ich bin ein wenig geizig, was ja hier schon ab und zu durchschien, und scheue die Fixkosten. Ohne Mandanten keine Arbeit und kein Geld.
Somit habe ich mir ein anderes Beschäftigungsfeld zum Austoben gesucht: Berufsbetreuerin.
Ein Begriff, mit dem viele Menschen nichts anfangen können, habe ich in den letzten Wochen festgestellt. Kurz gesagt handelt es sich dabei um die Vormundschaft für Erwachsene. Genaueres wird hier erklärt. Ich kümmere mich darum, dass sich jemand kümmert. Und bei meinem ersten Fall war das letztlich ganz schön haarsträubend, da die erste Betreuerin die Betreuung abgegeben hat, und ich den guten Mann erst einmal finden musste. Genauer gesagt, das Heim, in dem sie ihn untergebracht hat. Dort habe ich dann erfahren, dass er doch arg vernachlässigt dort ankam, und nichts vernünftiges zum Anziehen hatte. Bei solchen Geschichten wird einem schnell klar, warum Betreuer so ein schlechtes Image haben! Ende vom Lied: Ein Mahnverfahren habe ich schon in Gang gebracht, und so wie es aussieht muss ich die Frau vielleicht doch noch verklagen. Und damit schliesst sich auch der Kreis wieder...
Tatsächlich läuft es nicht bei allen Betreuten so.
Ich habe noch einen alkoholkranken Messi in einem Heim für Suchtkranke, der regelmässig seiner Arbeit nachgeht, ebenso wie eine tolle liebe Frau, die von Geburt an geistig behindert ist und eine jahrelange Tortour durch verschiedene Heime hinter sich hat. So schlimm, dass sie in dem Heim in dem sie jetzt lebt, zunächst nicht einschlafen konnte, da man sie dort nicht am Abend an Händen und Füssen am Bett fixiert. In dem Heim hegt man einen menschlichen Umgang mit den Bewohnern und da wird überhaupt niemand fixiert. Niemals. Traurig, ganz doll traurig. Jetzt mit knapp 40 Jahren gewöhnt sie sich langsam daran, wie wir auch in einem Bett zu liegen, mit Kissen und Decke. Nach über drei Jahren! Jetzt geht es ihr super. Sie blüht auf und lacht und sie hat ein grosses helles Zimmer und freut sich auf ihre Arbeit jeden Tag.
Die Menschen, die für meine Betreuten da sind und in den Heimen arbeiten, oder in den Hauspflegediensten machen eine grossartige Arbeit! Sie gehen so liebevoll, fürsorglich und verständnisvoll mit diesen gebeutelten Menschen um, dass ich sie einfach nur umarmen möchte. Sie sind grossartig und haben meinen ganzen Respekt!
Damit verdiene ich nun mein täglich Brot. Mit Kümmern auf dünnem Eis. Schnell kann man für Fehler haftbar gemacht werden, aber die Rechtspfleger bei Gericht achten nicht nur penibel darauf, dass alles richtig abläuft und die Zahlen stimmen, sie stehen auch mit Rat zur Seite. Und meine tolle Kollegin, die mich super unterstützt.
Noch habe ich nicht viele Betreute, aber das ist gut so, denn es gibt eine Menge vielfältiger Arbeiten zu erledigen und davon ausreichend. Viel Papierkram, Organisatorisches, juristisches und menschliches.
Ein sehr umfangreiches und interessantes Feld.
Und in Zukunft werde ich einen Schwank daraus erzählen.

Kommentare:

  1. ich bewundere dich! du liebe...für dein engagement und für's kümmern...denn das muß man können und vor allem wollen. deine betreuten können sich freuen, dich zu haben und ein kleines bisschen juristeln kannst du im rahmen der kümmerei ja auch *zwinker*
    liebe grüße mickey

    AntwortenLöschen
  2. Respekt, das ist eine unglaublich anspruchsvolle Arbeit! Die Betreuten können sich mit so einer lieben und engagierten Betreuerin echt glücklich schätzen! Und ein Jurastudium ist da mit Sicherheit sehr hilfreich im Paragraphendschungel^^

    Liebe Grüße, Jessica

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für das Lesen, auch für einen Kommentar.