Februar 02, 2014

Nach Hause kommen

ruft bei mir oft zwiespältige Gefühle hervor.
Zum Einen merke ich wieder, dass ich in der falschen Klimazone lebe. Ich mag kalt nicht. Schon gar keine kalten Füsse. Schnee mag ich nur für etwa eine Woche. Das derzeitige Klima unterstützt mein Gefühl - ich bin hier falsch. 
"Mama, warum sind die Nächte in Deutschland soooo lang?" 
Für lange Zeit lebten wir aus mit einem grossen Koffer, zu viert in einem Bungalow oder einem grossen Zimmer. Die Kinder hatten gerade soviel Spielzeug, wie sie mit beiden Händen tragen konnten. Und sie haben kleine Hände... 
Es gab nur die letzten Tage Fernsehen. Ab und zu schauten wir Cartoons oder Filme, aber vorwiegend machten wir ihn wegen der Nachrichten an. Shut down Bangkok interessierte zwar nicht die Südthailänder, aber uns. Um so erschreckender überkommt mich hier das Gefühl der Sinnlosigkeit von GEZ Gebühren beim Anblick dessen was mich erwartet, wenn ich hier Fernsehen anmache. Werbung gepaart mit Schwachsinn, und wirklich Inhaltvolles kommt zur Unzeit. 
Schön: Die Wohnung kommt uns plötzlich gross vor. Aber draussen ist es grau... statt gesättigt bunt. Das macht nachdenklich. Sogar die Menschen hier laufen in gedeckten Farben herum. Meist mit grimmigen Gesichtern die tief in Schal und Mütze versteckt werden.
Hier heisst es wieder kochen und sich um die Wäsche kümmern. Alltag. Dort setzten wir uns an den Tisch einer Garküche und bekamen für einen schmalen Taler leckeres gesundes Essen. Wäsche wurde gewaschen, für einen Euro pro Kilo. Aber ich koche gern und wir alle freuen uns auf unsere morgendlichen  veganen Pfannkuchen. Oder den richtigen Kaffee. Wegen des Alltags bleibt wieder wenig Zeit für die schönen Dinge: mit den Kindern spielen oder malen, sich um die Stoffberge kümmern oder um mich. "Mama, wann kommst du Eisenbahn spielen?" Hmpf. Dort brachten wir die Wäsche weg, und danach gings ab ins Meer, oder Pool, oder zum Eisladen oder...
Und dann die Post. Unsere Post lag fein sortiert von Mama auf dem Küchentisch. Und je mehr Briefe ich öffnete, um so mehr wurde ich wieder hineingezogen in mein Leben, meinen Alltag, meine Problemchen. Willkommen!
Die Auszeit tat gut. Und war auch nach dem letzten Jahr bitter nötig und richtig für uns, wie ich jetzt wieder feststelle. Dinge die mich bei der Abreise noch belasteten, waren dort nach wenigen Tagen vergessen. So weit entfernt, spielten sie keine Rolle mehr. "Mir doch egal." Man erhält einen anderen Blickwinkel auf viele Sachen und hat Zeit, Dinge auch mal zu überdenken, zu Ende zu denken. Wir bekamen neue Impulse und Inspirationen. Ein positiver Effekt.
Ich verstehe Menschen die dem Drang, einfach ihrem Zuhause fern zu bleiben, sehr gut verstehen. Oft sah ich mich mit der gleichen Situation konfrontiert. Jedoch jetzt, Jahre später, werden meine Hände am Flughafen von kleinen Händchen gehalten die mir ihr Vertrauen ausdrücken und ihre Liebe zeigen und mitteilen, wie sehr sie sich auf zu Hause freuen. 
Und in wenigen Wochen spriessen auch hier wieder die Knospen an den Bäumen und Büschen, kann ich unsere Wintersachen wegpacken. 
Zu Hause ist auch schön, eigentlich...

1 Kommentar:

  1. Wow, was für ein wunderschöne BlogPost! Ich hatte Gänsehaut :)
    Und ja: Zu hause ist es auch schön, eigentlich... :)

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Vielen Dank für das Lesen, auch für einen Kommentar.